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Was sind Peptide? Aufbau, Beispiele und Herstellung einfach erklärt

Peptide stecken in Hormonen, in Hautcremes und sogar in einem Süßstoff. Hier erfährst du, woraus sie bestehen, wie sie sich von Proteinen unterscheiden und wie sie hergestellt und geprüft werden — jede Zahl mit Quelle.

Aktualisiert: 28. September 2026 · Lesezeit ca. 9 Min.
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Kurz gesagt

Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren, die über Peptidbindungen miteinander verknüpft sind. Ab etwa 50 Aminosäuren spricht man meist von Proteinen — diese Grenze ist eine Konvention, keine feste Regel. Bekannte natürliche Peptide sind Glutathion (3 Aminosäuren), Oxytocin (9) und Insulin (51); im Labor entstehen Peptide heute meist per Festphasensynthese und werden per HPLC und Massenspektrometrie geprüft.

Peptide: die Definition

Ein Peptid ist eine Kette aus Aminosäuren. Aminosäuren sind kleine Moleküle mit zwei typischen Enden: einer Aminogruppe (–NH₂) und einer Säuregruppe (–COOH). Für ihre Proteine nutzen Lebewesen vor allem 20 Aminosäuren, die im genetischen Code verschlüsselt sind.[1]

Verbinden sich zwei Aminosäuren, reagiert die Säuregruppe der einen mit der Aminogruppe der anderen. Dabei wird Wasser abgespalten, und es entsteht eine Peptidbindung — chemisch eine Amidbindung.[1] Hängen sich weitere Aminosäuren an, wächst die Kette wie eine Perlenschnur. Jede Kette hat zwei verschiedene Enden: den N-Terminus mit freier Aminogruppe und den C-Terminus mit freier Säuregruppe. Sequenzen schreibt man deshalb immer vom N- zum C-Ende, also von links nach rechts.[1]

Di-, Tri-, Oligo-, Polypeptid: was die Namen bedeuten

Die Vorsilbe verrät die Länge: Ein Dipeptid besteht aus 2 Aminosäuren, ein Tripeptid aus 3, ein Pentapeptid aus 5, ein Heptapeptid aus 7. Nach der Nomenklatur der internationalen Fachverbände für Chemie und Biochemie (IUPAC und IUB) heißen Peptide mit weniger als etwa 10 bis 20 Aminosäuren auch Oligopeptide, längere Polypeptide.[1]

Peptid, Protein, Aminosäure: der Unterschied

Die drei verhalten sich zueinander wie Buchstabe, Wort und Satz: Aminosäuren sind die Bausteine, Peptide kurze Ketten daraus, Proteine lange Ketten, die meist zu einer festen räumlichen Form gefaltet sind.

Wo das Peptid aufhört und das Protein beginnt, ist nicht fest definiert. Die IUPAC-IUB-Empfehlungen nennen als Faustregel: Ketten mit festgelegter Sequenz und mehr als etwa 50 Aminosäuren heißen meist Proteine — und fügen ausdrücklich hinzu, dass Autoren sich dabei stark unterscheiden.[1] Deshalb liest du anderswo auch 100 als Grenze. Insulin mit 51 Aminosäuren liegt genau im Grenzbereich.

AminosäurePeptidProtein
Was es isteinzelner Bausteinkurze Kette aus Aminosäurenlange Kette, meist räumlich gefaltet
Größe1 Baustein2 bis etwa 50 Aminosäurenmehr als etwa 50 Aminosäuren
BeispielGlycinOxytocin (9 Aminosäuren)Serumalbumin (585 Aminosäuren)
Masse des Beispiels75 g/mol1.007 g/molrund 66.400 g/mol

Grenzen nach IUPAC-IUB[1]. Massen: Glycin und Oxytocin laut PubChem[3]; Serumalbumin aus der Sequenz berechnet (UniProt P02768)[2].

Wie groß ist ein Peptid? Beispiele mit echten Zahlen

Die Spannweite reicht vom Süßstoff bis zum Hormon. Alle Aminosäurezahlen stammen direkt aus den Datenbanken UniProt (Proteine und Peptide) und PubChem (chemische Stoffe):

StoffASWas es istQuelle
Aspartam2Süßstoff: Dipeptid aus Asparaginsäure und Phenylalanin, als MethylesterPubChem 134601
Glutathion3Glutaminsäure, Cystein, Glycin — ungewöhnlich über die Seitenkette der Glutaminsäure verknüpftPubChem 124886
GHK3Gly-His-Lys; mit gebundenem Kupfer als GHK-Cu bekanntPubChem 73587
Semax7Heptapeptid Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-ProPubChem 9811102
Oxytocin9Hormon, das die Hirnanhangdrüse freisetztUniProt P01178
BPC-15715Forschungspeptid, Sequenz GEPPPGKPADDAGLVPubChem 9941957
MOTS-c16im Erbgut der Mitochondrien kodiertUniProt A0A0C5B5G6
Thymosin α128Bruchstück des größeren Prothymosin αUniProt P06454
Glucagon29Hormon, Gegenspieler von InsulinUniProt P01275
Thymosin β443Grundlage von TB-500UniProt P62328
Insulin51Hormon aus zwei Ketten (30 + 21 Aminosäuren), verbunden über SchwefelbrückenUniProt P01308
Serumalbumin585zum Vergleich: eindeutig ein ProteinUniProt P02768

AS = Anzahl der Aminosäuren im fertigen Peptid (bei UniProt ohne Vorläufer- und Signalabschnitte).

Was Peptide im Körper tun

Viele Peptide sind Botenstoffe: Sie werden an einer Stelle gebildet und entfalten ihre Rolle an einer anderen, indem sie an passende Rezeptoren binden. Zwei Beispiele aus der Tabelle: Oxytocin wird von der Hirnanhangdrüse freigesetzt und spielt unter anderem beim Sozialverhalten und beim Milchfluss eine Rolle; Glucagon hebt den Blutzuckerspiegel und ist damit der Gegenspieler von Insulin.[2]

Viele dieser Peptide entstehen nicht direkt in ihrer fertigen Form. Sie werden aus größeren Vorläufern herausgeschnitten: Oxytocin aus einem Vorläufer mit 125 Aminosäuren, Glucagon aus Proglucagon mit 180 Aminosäuren.[2]

Peptide im Alltag: Lebensmittel und Kosmetik

In Lebensmitteln

Der Süßstoff Aspartam ist chemisch ein Dipeptid.[3] Und Kollagenpeptide — auch hydrolysiertes Kollagen genannt — sind Bruchstücke des Strukturproteins Kollagen: Enzyme zerlegen das große Protein in Peptide von etwa 3.000 bis 6.000 g/mol. Solche Hydrolysate werden unter anderem in Lebensmitteln und Kosmetik verwendet.[4]

In der Kosmetik

„Mit Peptiden“ steht heute auf vielen Cremes und Seren. Die Fachliteratur teilt kosmetische Peptide in vier Gruppen ein:[5][6]

Wichtig für die Einordnung: Eine dermatologische Übersichtsarbeit hält fest, dass die klinische Beweislage oft schwach ist und viele Peptide wegen ihrer Größe und geringen Fettlöslichkeit nur schlecht in die Haut gelangen.[10] In Kosmetik ist ein Peptid außerdem nur ein Bestandteil einer fertigen Rezeptur. Forschungspeptide sind dagegen die reine Substanz — mit Reinheit und Identität, die ein Laborbericht belegt.

Wie Peptide hergestellt werden

Für die erste Synthese eines Peptidhormons erhielt Vincent du Vigneaud 1955 den Chemie-Nobelpreis; Frederick Sanger wurde 1958 für seine Arbeit zur Struktur von Proteinen ausgezeichnet, insbesondere der von Insulin.[11] Die Methode, mit der heute die meisten Peptide entstehen,[15] geht auf Robert Bruce Merrifield zurück: 1963 stellte er die Festphasensynthese vor und baute damit ein Tetrapeptid auf.[12] 1965 folgte eine automatisierte Version[13], 1984 der Chemie-Nobelpreis „für die Entwicklung einer Methode zur chemischen Synthese an einer festen Matrix“.[11]

Das Prinzip in vier Schritten

  1. Verankern: Die erste Aminosäure wird an ein unlösliches Kunstharz gebunden — die „feste Phase“.
  2. Verlängern: Eine Schutzgruppe wird entfernt, die nächste Aminosäure angekoppelt, alle Reste werden einfach weggewaschen. Dieser Zyklus wiederholt sich für jede Aminosäure.
  3. Abspalten: Ist die Kette vollständig, wird sie vom Harz gelöst.
  4. Reinigen und trocknen: Das Rohprodukt wird gereinigt und gefriergetrocknet.

Als Schutzgruppe dient heute meist Fmoc; die Fmoc-Festphasensynthese gilt als Methode der Wahl.[14]

Nicht jeder Schritt läuft vollständig ab. Dann fehlt in einem Teil der Ketten eine Aminosäure oder eine ist doppelt — es entstehen Fehlsequenzen. Dazu kommen Reste von Schutzgruppen oder veränderte Seitenketten. Das sind die typischen Verunreinigungen synthetischer Peptide.[15] Genau deshalb ist die Analytik so wichtig.

Reinheit und Identität: HPLC und Massenspektrometrie

Ob ein synthetisches Peptid taugt, entscheiden zwei Fragen: Wie rein ist es? Und: Ist es wirklich der richtige Stoff?

HPLC allein sagt also, wie einheitlich eine Probe ist — nicht, welcher Stoff darin steckt. Wie ein echter Laborbericht aussieht und woran du Fälschungen erkennst, erklärt der Ratgeber Was bedeutet „Lab Tested“?. Unsere Berichte stammen von Janoshik Analytical, einem unabhängigen Analyselabor; alle stehen unter Zertifikate.

Forschungspeptide: lyophilisiert und kühl gelagert

Forschungspeptide — auch unsere — werden lyophilisiert geliefert. Das heißt gefriergetrocknet: Die Peptidlösung wird eingefroren, danach wird ihr das Wasser entzogen. Übrig bleibt ein trockener Feststoff im Vial. Der Grund: Viele Peptide sind in wässriger Lösung nur begrenzt stabil, getrocknet halten sie deutlich länger.[16]

Für die Lagerung nennt der Peptidhersteller Bachem diese Regeln:[17]

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Alle Produkte sind ausschließlich für Forschungszwecke (Research Use Only) bestimmt und nicht für die Anwendung am Menschen oder Tier.

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Häufige Fragen

Was sind Peptide einfach erklärt?
Peptide sind kurze Ketten aus Aminosäuren, den Bausteinen von Eiweiß. Die Aminosäuren hängen über Peptidbindungen aneinander wie Perlen an einer Schnur. Bekannte Beispiele sind Glutathion (3 Aminosäuren), Oxytocin (9) und Insulin (51).
Was ist der Unterschied zwischen Peptiden und Proteinen?
Die Länge der Kette. Nach den Empfehlungen von IUPAC und IUB heißen Ketten mit mehr als etwa 50 Aminosäuren meist Proteine. Die Grenze ist aber eine Konvention, manche Quellen setzen sie bei 100 an. Proteine sind außerdem meist zu einer festen räumlichen Form gefaltet.
Wie viele Aminosäuren hat ein Peptid?
Mindestens zwei. Bis etwa 10 bis 20 Aminosäuren spricht man auch von Oligopeptiden, darüber von Polypeptiden, ab etwa 50 meist von Proteinen. Der Name verrät oft die Länge: Ein Tripeptid hat 3, ein Heptapeptid 7 Aminosäuren.
Wie werden Peptide hergestellt?
Synthetische Peptide entstehen heute meist per Festphasensynthese: Die Kette wächst Aminosäure für Aminosäure an einem unlöslichen Kunstharz, überschüssige Reagenzien werden weggewaschen. Die Methode stellte Robert Bruce Merrifield 1963 vor, 1984 erhielt er dafür den Chemie-Nobelpreis.
Was bedeutet lyophilisiert?
Lyophilisiert heißt gefriergetrocknet: Die Peptidlösung wird eingefroren und das Wasser anschließend entzogen. Als trockener Feststoff sind Peptide deutlich länger stabil als in Lösung.
Wie lagert man Peptide?
Trocken, dicht verschlossen und kühl. Für längere Zeit nennt der Peptidhersteller Bachem unter −15 °C, kurzfristig reicht der Kühlschrank bei etwa 4 °C. Vor dem Öffnen das Vial auf Raumtemperatur kommen lassen. In Lösung sollten Peptide nicht gelagert werden.
Was ist ein Kupferpeptid?
Ein Peptid, das ein Kupfer-Ion bindet. Das bekannteste ist GHK-Cu: das Tripeptid Glycin-Histidin-Lysin mit Kupfer(II), in Kosmetik als Copper Tripeptide-1 bekannt. Mehr dazu im Ratgeber Was ist GHK-Cu?
Sind Forschungspeptide für den menschlichen Gebrauch bestimmt?
Nein. Forschungspeptide sind ausschließlich für die In-vitro-Forschung und laboranalytische Zwecke bestimmt (Research Use Only). Sie sind nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier bestimmt. Eine klare RUO-Kennzeichnung ist ein Zeichen für einen verantwortungsvollen Anbieter.

Quellen

  1. IUPAC-IUB Joint Commission on Biochemical Nomenclature: Nomenclature and Symbolism for Amino Acids and Peptides (Recommendations 1983), Abschnitte 3AA-1, 3AA-11 bis 3AA-13. Pure Appl. Chem. 1984; 56: 595–624. iupac.qmul.ac.uk
  2. UniProt: Einträge P01178 (Oxytocin), P01275 (Glucagon), P01308 (Insulin), P62328 (Thymosin β4), P06454 (Thymosin α1), A0A0C5B5G6 (MOTS-c), P02768 (Serumalbumin).
  3. PubChem: Glycin (CID 750), Aspartam (134601), Glutathion (124886), Oxytocin (439302), BPC-157 (9941957), Palmitoyl Pentapeptide-4 (9897237), Acetyl Hexapeptide-8 (71587772).
  4. León-López A et al. Hydrolyzed Collagen — Sources and Applications. Molecules. 2019; 24(22): 4031. PubMed 31703345
  5. Gorouhi F, Maibach HI. Role of topical peptides in preventing or treating aged skin. Int J Cosmet Sci. 2009; 31(5): 327–345. PubMed 19570099
  6. He B et al. Role of peptide–cell surface interactions in cosmetic peptide application. Front Pharmacol. 2023. PubMed 38027006
  7. Katayama K et al. A pentapeptide from type I procollagen promotes extracellular matrix production. J Biol Chem. 1993; 268(14): 9941–9944. PubMed 8486721
  8. Choi YL et al. Dermal Stability and In Vitro Skin Permeation of Collagen Pentapeptides (KTTKS and palmitoyl-KTTKS). Biomol Ther. 2014; 22(4): 321–327. PubMed 25143811
  9. Blanes-Mira C et al. A synthetic hexapeptide (Argireline) with antiwrinkle activity. Int J Cosmet Sci. 2002; 24(5): 303–310. PubMed 18498523
  10. Pai VV et al. Topical peptides as cosmeceuticals. Indian J Dermatol Venereol Leprol. 2017; 83(1): 9–18. PubMed 27451932
  11. Nobelpreis für Chemie: 1955 (du Vigneaud), 1958 (Sanger), 1984 (Merrifield). nobelprize.org
  12. Merrifield RB. Solid Phase Peptide Synthesis. I. The Synthesis of a Tetrapeptide. J Am Chem Soc. 1963; 85(14): 2149–2154. doi:10.1021/ja00897a025
  13. Merrifield RB. Automated synthesis of peptides. Science. 1965; 150(3693): 178–185. PubMed 5319951
  14. Behrendt R, White P, Offer J. Advances in Fmoc solid-phase peptide synthesis. J Pept Sci. 2016; 22(1): 4–27. PubMed 26785684
  15. D'Hondt M et al. Related impurities in peptide medicines. J Pharm Biomed Anal. 2014; 101: 2–30. PubMed 25044089
  16. Izutsu KI. Applications of Freezing and Freeze-Drying in Pharmaceutical Formulations. Adv Exp Med Biol. 2018; 1081: 371–383. PubMed 30288720
  17. Bachem: Handling and Storage Guidelines for Peptides. bachem.com

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